Jaja!

Steigeisentraining am Gepatschferner

Grundkurs Eis am Brandenburger Haus ; 01.-04. August 2019.

Erst nachdem nochmal alles durchgecheckt ist, wird die Selbstsicherung ausgehängt. Der Wind bläst kalt über die Felskante und lässt uns selbst in den dicken Jacken frieren. Wir können auf die Handschuhe nicht verzichten, was das ohnehin schon schwerfällige Handling mit Seil und Karabinern nochmal erschwert. Vorsichtig wird der Prusikknoten gelockert und Zentimeter für Zentimeter Seil in den Tube gelassen. Erst weit unten liegt das Seilende auf einem Schneefeld. Da es durchaus vorkommen kann, dass man sich auf einer Hochtour auch mal abseilen muss, üben wir nachdem wir uns im Brandenburger Haus aufgewärmt hatten am Nachmittag an einem Felsen über der Hütte noch das Abseilen. Jaja, Jaja muss sich jemand selbst motivieren! Aber das darf man auch, wenn man exponierte Felsen nicht gewohnt ist und sich zum ersten Mal abseilt. Aber da alle gut aufgepasst hatten, wird kein Sicherheitsrelevanter Fehler gemacht!

Am Donnerstag fahren wir früh am Morgen ins Kaunertal bis über den Gepatschstausee. Dank des hohen Ausgangspunktes erreichen wir schon nach gut einer Stunde den Gepatschferner und wagen die ersten Schritte mit Steigeisen auf dem aperen Gletscher. Der weiter oben liegende Gletscherbruch ist beeindruckend, aber hier führt kein Weg durch. Deshalb geht der Anstieg weiter zur Rauekopfhütte, wo Georg Bayerle von Bergauf Bergab einige Wochen ehrenamtlich Hüttenwirt ist. Der obere Gepatschferner ist sehr flach und gehört zur größten zusammenhängenden Gletscherfläche der Ostalpen. Das schon seit Tagen schöne Wetter lässt den Schnee schmelzen und wir brechen immer wieder mal ein und stehen dann im Wasser. Jaja, auch so kann Gletscher sein!

Am Freitag ist das Wetter schlecht und wir beginnen mit einer Theorieeinheit. Doch schon am Vormittag reist es auf und wir gehen sofort raus um an einer Wechte die Spaltenbergung zu üben. Später zeige ich noch wie sich eine Seilschaft am laufenden Seil sichern kann und werden knallhart von einem Graupelschauer überrascht. Bei Schneefall suchen wir den Weg zurück zum Haus.

Das Brandenburger Haus ist noch eine ursprüngliche und urige Bergunterkunft und wird von einem neuen, sehr netten Team gut geführt. Das Essen ist gut und man bekommt auf Fragen hilfreiche Antworten.

Nach ebenfalls durchwachsenen Wetter am Samstag, zeigen sich am Sonntag die Ötztaler Alpen vom Sonnenaufgang an von seiner schönsten Seite. Diesmal ist der flache Gletscher zum Glück noch gefroren und wir erreichen trockenen Fußes die Rauekopfhütte und den unteren, blanken Teil des Gletschers. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen legen wir eine letzte Übungseinheit ein, bevor wir den restlichen Abstieg über die Gletscherzunge zurück zu den Autos bewältigen. Jaja resümieren wir, so schnell sind vier sehr erlebnisreiche Tage wieder vorbei!