Tatsächlich

Alpine Klettertouren in den Urner Alpen ; 13.-16. Juli 2019

Wir haben im ausgeprägten schwyzerdütsch der netten Wirtin mal wieder nichts verstanden und wissen jetzt nicht recht was tun? Unsere Augen schielen unauffällig auf die Nachbartische: Tatsächlich! Das Apfelmus wird zusammen mit den Nudeln gegessen. Älplermaccaroni, eine für uns ungewöhnliche, aber sehr leckere schweizer Spezialität! 

Mit nicht idealen Wetterbericht, aber viel Motivation und guter Laune sind wir auf den Furkapass gefahren und in einer Stunde zur kleinen, gemütlichen Siedelenhütte aufgestiegen. Nach wenigen Klettermetern am plattigen Übungsfels wird es uns zu langweilig, sodass wir am ersten Tag noch auf das Chli Kamel klettern. Dieser markante Turm ist auch aus der Mammut Werbung bekannt. Wir sind schon mal begeistert. Am Sonntag hängen die Wolken im Tal und wir können über diesen im grandiosen Ambiente unsere Königstour machen. Für den markanten und gut abgesicherten Südostgrat auf den Galenstock muss man nicht nur gut Felsklettern können, sondern es ist am Gipfelgrat auch noch eine Steilstelle im Eis mit Steigeisen zu überwinden. Am Abend gab es Spaghetti Bolognese, die wir souverän meistern. 

Der Blick am nächsten Morgen aus dem Fenster lässt die Stimmung sinken: 10 cm Neuschnee! Doch der Wirt meinte optimistisch, dass der Schildkrötengrat immer geht. Unsere Augen schielen rüber zum chli Bielenhorn, doch eine dichte Nebelwand lässt uns zusätzlich zweifeln! Auch ein einheimischer Kletterer motiviert uns, dass wir eventuell schon am Nachmittag, aber spätestens Morgen wieder an den Fels können! Er sollte recht behalten und der Schnee schmilzt schnell! Tatsächlich ist es Mittags weitgehend trocken und wir gehen zum Einstieg. Sehr exponiert, an spitzen Zacken vorbei und hinauf klettern wir mit besten Urner Granit in den Händen über den Schildkrötengrat auf das Chli Bielenhorn. Wir sind begeistert, dass klettern im “nur” 4. Schwierigkeitsgrad so toll sein kann! Am letzten Tag nehmen wir uns vor der Heimreise noch die 6 Seillängen auf den Hannibal vor. Aus dieser Perspektive zeigt sich das Chli Kamel von seiner schönsten Seite und so schließt sich der Kreis. Wir sind uns auf der Heimfahrt einig, dass sich die doch etwas weite Anfahrt tatsächlich gelohnt hat und schmieden schon Pläne für das nächste Jahr! 

Tourenleitung, Fotos und Bericht: Stefan Stadler )